Woher kommt der Begriff «Gautschen»?
Der Begriff stammt aus der historischen Papierherstellung. Nachdem ein Papierbogen von Hand geschöpft worden war, musste ihm das überschüssige Wasser entzogen werden. Dieser erste Entwässerungsschritt wurde als Gautschen bezeichnet. Dabei wurde der feuchte Papierbogen vom Schöpfsieb auf eine Filzunterlage abgepresst.
Aus diesem handwerklichen Arbeitsschritt entwickelte sich im Laufe der Zeit ein Brauch, der bis heute in der Druckbranche gepflegt wird.
Vom Buchdruck zur Drucktradition
Ein wichtiger Meilenstein in der Geschichte des Druckhandwerks war die Entwicklung des Buchdrucks mit beweglichen Metalllettern durch Johannes Gutenberg Mitte des 15. Jahrhunderts. Seine Erfindung veränderte die Verbreitung von Wissen grundlegend und prägte die Entwicklung des modernen Druckereiwesens.
Mit dem wachsenden Druckgewerbe entstanden auch eigene Zünfte, Gemeinschaften und Traditionen. Das Gautschen entwickelte sich im 16. Jahrhundert als Aufnahmeritual innerhalb des Druckhandwerks und ist bis heute ein Symbol für die Verbundenheit mit diesem traditionsreichen Beruf.
Die Gautschzeremonie
Seit dem 16. Jahrhundert werden Berufsleute nach erfolgreichem Abschluss ihrer Ausbildung traditionell «gegautscht». Die Zeremonie symbolisiert die Reinigung von den «Sünden der Lehrzeit» und die Aufnahme in den Kreis der Schwarzkünstler – eine historische Bezeichnung für die Druckkunst.
Zu einer klassischen Gautschfeier gehören verschiedene feste Bestandteile:
- Der Gautschmeister leitet die Zeremonie und spricht den traditionellen Gautschspruch.
- Die Packer sorgen dafür, dass der sogenannte «Cornut» – der frischgebackene Berufsmann oder die Berufsfrau – sicher im Wasser landet.
- Der Gautschbrief erinnert als Urkunde an die bestandene Zeremonie.
Tradition mit einem Augenzwinkern
Ob historischer Brunnen oder, wie bei uns, ein aufblasbarer Pool: Das Gautschen verbindet jahrhundertealte Handwerkstradition mit Teamgeist, Humor und einer grossen Portion Spass.
So bleibt ein wichtiges Stück Druckgeschichte lebendig und sorgt gleichzeitig für einen unvergesslichen Moment zum Abschluss der Ausbildung.