ChromaCom-Bildbearbeitungssystem –
ausgestorben in den 1990er-Jahren

Nein, die Tastatur vom ChromaCom war keine gewöhnliche. Jedenfalls keine, mit der man Texte schrieb – 1987, als das ChromaCom-System entwickelt wurde, schrieb man noch mit Schreibmaschine. Mit der ChromaCom-Arbeitsstation wurden Bilder bearbeitet – erstmals in der Geschichte elektronisch. Lithos, die vorher von Hand mit Belichtungstechnik korrigiert wurden, konnten nun eingescannt und digital bearbeitet werden. Eine Revolution! Das von der Dr. Ing. Rudolf Hell GmbH in Kiel hergestellte ChromaCom-System kostete daher auch ein Vermögen: Mehr als 1,7 Millionen Franken investierte die damalige AST & JAKOB AG 1988 in diese digitale Transformation. Millioneninvestitionen für Bildmanipulationen, die heute jedermann mit wenigen Klicks an seinem Computer ausführen kann.

Am zentralen Arbeitsplatz positionierte der Operateur Bilder in ein vorgegebenes Layout und führte mit den 4-Farbreglern Cyan, Magenta, Gelb und Schwarz sowie einer speziellen Maus oder einem Stift Farbkorrekturen und Retuschearbeiten am Bildschirm durch. Damit er zügig arbeiten konnte – sein Stundenansatz betrug sage und schreibe 520 Franken! –, mussten die Dateien gut vorbereitet sein: Jede einzelne Position, Bildgrösse und Drehung der vom Kunden gelieferten Maquetten wurde vorgängig berechnet. Um das korrigierte Bild zu sehen, musste der Operateur die Dateien nach jeder Korrektur berechnen und am Bildschirm neu aufbauen. Dieser Vorgang nahm jeweils mehrere Minuten in Anspruch. Wurden die gesamten gelayouteten Seiten mit dem ChromaCom-System aufgebaut, verlängerte sich die Rechnungszeit um ein Mehrfaches. Die elektronische Konstruktion von zentrischen Verläufen konnte das System gar mehrere Tage blockieren. Fertig bearbeitete Bildmontagen oder Seitenlayouts wurden auf einem Filmbelichter ausgegeben und anschliessend vom Fotolithografen weiterverarbeitet. Oder sie dienten als fertige Vorlagen für die Herstellung der Druckplatten.

Gespeichert wurden die Daten auf sogenannten «Torten». Runde Magnetplatten, die je 5000 Franken kosteten und zwei Kilo schwer waren und die gestapelt mit ihren durchsichtigen Plastikhauben aussahen wie Torten vom Confiseur – daher ihr Name. Ihre Speicherkapazität betrug 300 MB. Die AST & JAKOB AG verfügte damals über rund 100 «Torten» – sie bedeuteten eine zusätzliche Investition von einer halben Million Franken. Die hohen Investitionen lohnten sich jedoch, denn das elektronische Bildverarbeitungssystem steigerte sowohl die Produktivität wie auch die technischen Möglichkeiten markant. Ersetzt wurde es 1996 durch das Nachfolgesystem namens Da Vinci, welches auf einem Hochleistungsrechner von Unix lief.

Bildquelle: Ast & Fischer AG

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