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Der Glasgravurraster – ausgestorben in den 60er-Jahren

Das Ding sieht aus wie eine überdimensionale, schwarz getönte­ Kameralinse. Es wird in einem ehemals edel anmutenden Kasten umschmiegt von samtenem Stoff. Und liegt nun in unserem Archiv, verbraucht, verstaubt, vergessen. Dabei war dieses Ding nicht irgendetwas: Der Glasgravurraster – er hatte rund 52 Zentimeter Durchmesser – war die bis zu diesem Zeitpunkt grösste und wichtigste Investition der Firma. Diese hiess damals noch Ast & Jakob Reproinstitut für Offsetproduktionen und war in Köniz angesiedelt.

Angeschafft wurde das wertvolle Teil 1960. Es kostete eine Unsumme an Geld und diente dazu, Halbtonaufnahmen, also beispielsweise Fotografien, in druckbare Rasterpunkte zu zerlegen. Der Glasgravurraster machte es also möglich, Bilder und Fotos zu drucken. Denn – dies als kleine Hintergrundinformation für alle, die nicht im Druckerbusiness aufgewachsen sind: In der Drucktechnik ist es prinzipiell nur möglich, einen Vollton zu drucken. Bei allen Zwischen- und sogenannten Halbtönen wird das menschliche Auge getäuscht, indem der Vollton in grössere oder kleinere Punkte zerlegt, also aufgerastert, wird. Diese Tatsache hat sich bis heute nicht geändert. Und genau deshalb brauchten wir damals, vor der elektronischen Bildverarbeitung, den Glasgravurraster.

Unsere Mitarbeitenden erstellten also mit der Reprokamera (dazu ein anderes Mal) mithilfe von Farbfiltern die Farbauszüge als Halbtonfilme. Mit dem Glasgravurraster konnten sie ebendiese Auflösung in druckbare Rasterpunkte umwandeln. Wie dieser Vorgang funktionierte? Ganz einfach: Sie platzierten einen lichtempfindlichen Film unter den Halbtonfilm und den im richtigen Winkel eingestellten Glasgravurraster und belichteten diesen Film. Je dichter die Stelle im Halbton war, desto weniger Licht konnte auf den Film gelangen, und der Punkt wurde dementsprechend kleiner. So entstand ein gerasterter, druckbarer Farbauszug. Mit ihm belichteten die Drucker schliesslich die Druckplatte. Und schon konnte der Auflagendruck im Offsetdruck erfolgen.

Der teure Glasgravurraster tat seine wertvollen Dienste nur bis Ende der 60er-Jahre – bis er ersetzt wurde. Eigentlich schade um diese elegante Scheibe.

Die technologische Revolution hat längst begonnen – und als Medienhaus stecken wir mitten drin. Doch es ist noch gar nicht lange her, da arbeiteten auch wir mit heute skurril anmutenden Maschinen und anderen Gegenständen, um unsere Druckerzeugnisse herzustellen. Für diese Kolumne wühlen wir in unserem Archiv und stellen Ihnen in jeder Ausgabe ein ausgestorbenes Objekt aus unserer Produktion vor.

Bildquelle: Ast & Fischer AG

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