Von der traditionellen grafischen Unternehmung zur kundenzentrierten und medienübergreifenden Marketingfirma – die AST & FISCHER AG verändert sich von innen. Mit innovativen Strukturen und offenen Arbeitsformen führt sie das Unternehmen ins digitale Zeitalter. Eine professionelle Personalentwicklung sorgt dafür, dass die Mitarbeitenden den Wandel hin zum Kunden mitgestalten.

Die Fakten sprechen für sich: Noch vor fünf Jahren gab es in der Schweiz 2500 Druckereien, heute sind es 1200. Und in fünf Jahren, so erwarten Experten, werden es nur noch 400 sein. «Unsere Branche wird geschüttelt», sagt Daniel Troxler, CEO der AST & FISCHER AG. Im klassischen Druckgeschäft gehe der Umsatz zurück, das lasse sich nicht verhindern. «Dafür ermöglicht die Digitalisierung neue Chancen und Geschäftsmodelle.» Es sei daher an der Zeit, das Unternehmen AST & FISCHER neu zu erfinden. Die AST & FISCHER AG sei zum Glück ein kerngesundes Unternehmen und könne seine Zukunft aus eigenen Mitteln selbst gestalten. Insbesondere die IT-Kompetenz soll künftig das Fundament der Firma bilden. «Und wir wollen uns öffnen und vermehrt mit externen Partnern und Agenturen arbeiten», sagt Troxler, «wir müssen nicht alles selbst können.» Was sich seit Jahren angebahnt hat, wird nun vollendet: der Wandel von der historischen Druckerei zum Marketingunternehmen, welches medienübergreifend wirkungsvoll Inhalte publiziert und steuert. «Wir verstehen uns künftig nicht mehr nur als Dienstleisterin, sondern eher als Beraterin für jene Kunden, bei denen eine kanalübergreifende Individualisierung Sinn macht.» Die 60-jährige Druckkunst, die in der Firma stecke, werde man mit in die Zukunft nehmen, sagt Troxler: «Wir glauben nach wie vor an hochwertige Drucksachen – und dieser Printbereich wird auch von den digitalen Medien befruchtet.»

Eine neue Strategie allein reiche jedoch nicht, um die Firma fürs digitale Zeit­alter zu rüsten, sagt Troxler. Die Digitalisierung erfordere, dass die Firma schnell, individuell und agil auf die Bedürfnisse der Kunden reagiere. Sie müsse sich daher auch von innen verändern. «Wir wollen ein agiles und offenes Arbeitsumfeld schaffen, das Freude macht», sagt Troxler. Erreichen will er dies zum einen durch neue räumliche Strukturen. So werden ab sofort sämtliche Mitarbeitenden über alle Hierarchiestufen in einem Grossraumbüro gemeinsam wirken. Ausnahme bilden die Produktionsabteilungen Digital- und Offsetdruck. Mit einem modernen Grossraumbüro sowie trendigen Multispace-Räumlichkeiten stehen den Mitarbeitenden sowohl Ruhe- wie auch Begegnungszonen zur Verfügung (siehe S. 10). Zum anderen will Troxler seine Mitarbeitenden in den Entstehungsprozess der neuen Firma einbinden: «Die digitale Transformation ist so komplex, da können wir nur gemeinsam weiterkommen. Unsere Mitarbeitenden sollen ihr Umfeld selbst schaffen können – und dadurch aktiv mithelfen, unser Unternehmen in die Zukunft zu führen.»

Mehr Eigenverantwortung, weniger Hierarchien

Gelingen soll dies durch professionelles Change-Management. Roman Cortesi, Kultur- und Organisationsentwickler bei InnoArchitecs in Wabern, arbeitet seit August mit den Mitarbeitenden an verschiedenen Themen – mit dem Ziel, dass sie den «Change» aktiv mitgestalten. «Nur so werden sie diesen auch mittragen», sagt Cortesi. Wer mitdenke, übernehme Verantwortung – und genau diese werde in Zukunft von jedem Mitarbeitenden erwartet: «Sie sollen lernen, unternehmerisch zu denken. Jeder soll das Bewusstsein entwickeln, dass er etwas bewirken kann und seine Arbeit wichtig ist für den Gesamterfolg des Unternehmens.» Dies betont auch Troxler: «Unsere Leute sollen nicht mehr auf Anweisungen von oben warten, sondern selbst Entscheidungen treffen und Eigeninitiative entwickeln.»

Ausprobieren, lernen, besser werden – diese neue Arbeitshaltung soll künftig massgebend sein, neue Arbeitsmethoden wie Prototyping und Design Thinking sollen das klassische Projektdenken ergänzen. Das Ziel sei, den Fokus der Mitarbeitenden zu verändern, sagt Cortesi: «Sie sollen sich bereichs- und projektübergreifend vernetzen, ihre Arbeit konsequent auf den Kunden ausrichten und diesen mit seinen Problemen und Themen ganzheitlich begleiten.» Damit dies überhaupt möglich wird, werden mit den räumlichen Massnahmen sowie mit den neuen Arbeitsformen auch die Hierarchien durchlässiger gestaltet.

Zwölf Erneuerer denken mit

Dem Aufruf, sich in den Veränderungsprozess einzubringen, sind zwöf Mitarbeitende aus allen Bereichen des Medienhauses gefolgt. Die sogenannten «Erneuerer» treffen sich seit August einmal wöchentlich, um sich Fragen zu stellen und nach Antworten zu suchen: Wo stehen sie heute? Wo wollen sie hin? Wie muss sich das Unternehmen verändern? Zuerst definierten die Erneuerer in Workshops drei Entwicklungsfelder, die nun von drei Vordenker-Teams erarbeitet werden: Die Gruppe «Raumübergreifendes Arbeiten» sucht neue Möglichkeiten des Zusammenarbeitens. Die Gruppe «Eigene Wirksamkeit» macht sich Gedanken, wie die Verantwortung der Mitarbeitenden fürs Unternehmen erhöht werden kann. Die Gruppe «Konsequente Kundenorientierung» schliesslich nimmt sich der neuen Ausrichtung an.

Nicole Gütiger, Verantwortliche Lesermarkt der Zeitschrift Schweizer Garten, ist eine der Erneuerinnen. Sie schätze das Vertrauen, welches ihr Arbeitgeber den Mitarbeitenden entgegenbringe, sagt sie – die Motivation im ganzen Team sei gross. Es gehe schliesslich darum, ein bestehendes Unternehmen neu aufzubauen, sagt sie, «diese Chance wollte ich packen – ich will nicht im Nachhinein sagen, dass ich gewisse Sachen anders gemacht hätte». Sie sei erst seit Januar bei der AST & FISCHER AG und könne daher eine wertvolle Aussensicht einbringen. Die Arbeit im Team sei sehr spannend, aber auch neu: «Wir sind es nicht gewohnt, dass wir mitreden können. Nun dürfen wir Ideen einbringen, wie das Unternehmen aus unserer Sicht Erfolg haben könnte.» Als Erstes hätten sie in ihrem Team gemerkt, dass Werte im Unternehmen zwar vorhanden, aber nicht greifbar seien. Über eine Mitarbeiter-Umfrage hätten sie diese neu definiert – nun gehe es darum, ein neues Leitbild zu schaffen, an welchem sich die Mitarbeitenden künftig orientieren könnten.

Botschafter für den «Change»

Die Erneuerer seien «Botschafter für den ,Change’», sagt Cortesi – sie sollen die angestrebte Veränderung nicht nur mitgestalten, sondern auch in der Belegschaft verankern. «In Gesprächen mit Kollegen schaffen sie mit der Zeit Verständnis für die neuen Arbeitsmethoden.» Auf diese Weise könnten die Mitarbeitenden vom klassischen Schaffen zur digitalen Arbeitsweise hingeführt und viele Zweifel und Ängste verhindert werden. «Die Erneuerer haben eine starke Wirkung», sagt Cortesi. Noch sei man nicht so weit, sagt Erneuerin Nicole Gütiger: «Man spürt uns noch zu wenig im Unternehmen – wir waren uns dieser Rolle nicht von Anfang an bewusst.» Sie spürt in der Belegschaft sowohl Aufbruchstimmung wie auch Unsicherheit: «Für viele Mitarbeitende sind die kommenden Veränderungen noch nicht greifbar. Es ist gut, wenn wir auch diese Stimmen abholen können.» Troxler will die Erneuererteams langfristig in die Personalentwicklung einbinden. Es müsse jedoch jeder Einzelne mitziehen, sagt er: «Es braucht von jedem die Entscheidung: Ja, ich will das.» Dann werde die Veränderung eine Chance für alle.

Bildquelle: AST & FISCHER AG

Kommentare(1)

  • Daniela A. Caviglia
    2. April 2019, 9:48  Antworten

    Sehr spannender Einblick, wie ihr das angeht. Vielen Dank und weiterhin viel Freude und Erfolg!
    GlG, Daniela

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