Mit dem technischen Fortschritt verändern sich nicht nur die Arbeitsprozesse, sondern auch die Arbeitsformen und der Arbeitsplatz: Papierablagen werden unnötig, Arbeitsorte flexibel, Strukturen weniger hierarchisch, Kommunikation wichtiger. Und: Mit dem Büro wird immer auch die Firmenkultur verändert.

Ideen einbringen und neue Strukturen aufbauen – das sind Simon Doblers Aufgaben, wenn er die Büros von Unternehmen modernisiert. Dobler ist Büroplaner und Senior Projektleiter bei Witzig The Office Company AG – seiner Meinung nach liegt es heute nicht mehr drin, auf dem Status Quo zu beharren: «Die Digitalisierung hat den Austausch und den Zugang zu Informationen enorm beschleunigt und Wirtschaft sowie Gesellschaft verändert. Nun sollten Unternehmen ihre häufig überalteten Bürostrukturen diesem Wandel anpassen.» Sehr viele Firmen hätten heute noch die klassischen Strukturen ihrer Gründer aus der Nachkriegszeit, «diese sind aber viel zu festgefahren und zu träge für die schnelle digitale Welt».

Heute könne ein Telefon fast alles, was früher am Arbeitsplatz erledigt worden sei – dies verändere die Arbeitsprozesse, sagt Dobler. Er selbst sei das beste Beispiel dafür: «Ich arbeite Teilzeit und habe keinen festen Arbeitsplatz mehr. Das Büro ist für mich eher ein Ort der Begegnung. Hier bin ich nur, um mit anderen zusammenzuarbeiten – genau dann, wenn es mich braucht. Das bringt mir auch als Familienvater sehr viel Freiheit.» Nicht jeder Job eigne sich, um von überall aus erledigt werden, räumt Dobler ein, «aber immer mehr Menschen ziehen es vor, ihr Leben als digitale Nomaden zu organisieren, statt jeden Morgen zur gleichen Zeit am Arbeitsplatz zu erscheinen».

Revival des Grossraumbüros

Viele Berufe gingen durch die Digitalisierung verloren. Die Menschen werde es aber immer brauchen, ist Dobler überzeugt: «Wir sind kreativ und haben Ideen – wir funktionieren anders als Maschinen.» Und diese Kreativität gelte es zu nutzen und zu fördern, indem sich ein Unternehmen neu aufstelle: «Wer sein Büro neu organisiert, hinterfragt Strukturen, eventuell verkrustete Prozesse sowie Machtgefüge.» Eine Veränderung im Büro bringe daher zwingend auch eine Veränderung der Firmenkultur mit sich und bewege die gesamte Belegschaft: «Jeder Mitarbeitende wird sich überlegen: Ist das noch der richtige Job für mich?»

Räumliche Veränderungen im Büro gab es schon immer: Schon in den 1970er Jahren setzten die Unternehmen auf Grossraumbüros. Die Angestellten tippten und telefonierten zu Hunderten in den Pultkolonnen riesiger Büros. Mit dem Wirtschaftsaufschwung wurden grössere Flächen erschwinglich und Einzel- oder Kleinraumbüros kamen auf. «Viele Mitarbeitende vereinsamten jedoch – und die Kommunikation war stark eingeschränkt», sagt Dobler. Mit der Digitalisierung, die alle Arbeitsabläufe schneller macht und kürzere Entscheidungswege einfordert, erlebe das Grossraumbüro – heute Open Space genannt – zurzeit ein Revival. Der Trend gehe sogar noch weiter, sagt Dobler: «Büros werden immer mehr zu Begegnungszonen.»

Moderne Unternehmen funktionierten als bereichsübergreifende Teams mit flacheren Hierarchien – dies müsse sich auch in den Räumlichkeiten spiegeln, sagt Dobler. «Die grösste Herausforderung für mich als Planer sind die Chefs: Wie bereit sind sie, den ,Change’ konsequent zu vollziehen?»

Eine Wohnraumatmosphäre für die Mitarbeitenden reiche nicht aus, wenn der CEO dann doch im Einzelbüro sitze, sagt Dobler. «Sitzt er jedoch neben der Lehrtochter und ist für die Anliegen der Mitarbeitenden direkt erreichbar, setzt er ein klares Zeichen.»

Open Spaces mit Rückzugsmöglichkeit

Lärmschutz, viele kreative Rückzugsmöglichkeiten sowie Spielregeln ermöglichten, dass sich die Mitarbeitenden in einem Open Space wohlfühlten, ist Dobler überzeugt: Mit kreativen räumlichen und technischen Massnahmen seien ungestörte Besprechungen jederzeit möglich, der Lärmpegel bleibe tief und das Umfeld wirke inspirierend. Dazu brauche es sowohl ruhige Zonen wie auch Begegnungsorte, wo sich die Mitarbeitenden austauschen könnten. Die Kommunikation verbessere sich dadurch, «denn man kann sich nicht verkriechen, sondern muss miteinander reden und arbeiten». Wer mehr Konzentration brauche, könne auch über Homeoffice-Tage nachdenken, findet Dobler. «Wer digital unterwegs ist, kann von überall arbeiten.» Firmen, die noch weitergehen wollten, schafften fixe Arbeitsplätze ganz ab – auch für den CEO. Für Dobler könnte es gar noch einen Schritt weitergehen: «Ich fände es schön, wenn künftig nicht mehr jede Firma ihren Sitz braucht, sondern Büros zu Treffpunkten verschiedener Firmen werden, nach dem Motto ,Work local, think global’.» Bereits heute gebe es Firmen, die ihre Daten teilten – dieser Trend werde sich vielleicht bis in die Büros ausweiten.

Kreative Möglichkeiten

Wie weit ein Unternehmen gehen wolle, sei für ihn immer wieder eine neue Herausforderung, sagt Dobler. Er müsse dafür eine Firma verstehen. Gibt man jedem Mitarbeitenden einen eigenen Arbeitsplatz? Oder wählt man zwei Leute pro Arbeitsplatz aus? Oder teilt man ihnen einen fixen Bereich des Büros zu? Was für Rückzugsmöglichkeiten braucht es? Für ihn als Planer sei es wichtig, dass Räume verschiedene Funktionen erhielten, sagt Dobler. «Ein Büro muss gemütlich und funktional sein. Das heisst: Die Mitarbeitenden sollen für jede Situation, Stimmung und Aufgabe den passenden Raum vorfinden.» Es spiele eine grosse Rolle, ob eine Sitzung in einem normalen, kalten Sitzungszimmer stattfinde oder in einem kreativen Corner, den man selber einrichten könne. Oder in einem offenen Bereich im Büro, in einer Lounge, in einem Sitzungszimmer mit Stehtischen oder gar in einem externen Coworking Space.

AST & FISCHER AG – neu alle Mitarbeitenden auf einem Stock


Die AST & FISCHER AG stellt sich neu auf – strategisch, aber auch räumlich: Alle Mitarbeitenden haben in den vergangenen Wochen ihre Büros geräumt und sind in den neuen Open Space im 1. Stock des Medienhauses gezogen, auch der CEO und die anderen Mitglieder der Geschäftsleitung. Neu arbeiten ausser den Mitarbeitenden am Empfang alle im gleichen Stock wie die Produktion.

Die Kommunikationswege sollen dadurch verkürzt werden, sagt CEO Daniel Troxler. «Wir wollen künftig in Arbeitsgruppen funktionieren, nicht mehr in einzelnen Bereichen», sagt Troxler. Statt per Mail miteinander zu kommunizieren, sollen seine Leute in ständigem Austausch sein. «Der Open Space soll Hierarchien durchbrechen und bessere Arbeitsbedingungen schaffen», sagt Troxler. Dass auch er im Open Space Platz nehme, sei für ihn selbstverständlich: «Wir sind ein Team und arbeiten alle im gleichen Raum und an einem gleich grossen Tisch.» Papier- und Stauraum brauche es ohnehin nicht mehr, da Dokumente künftig nur noch digital abgelegt würden.

Mit einer sehr modernen Büroeinrichtung mit Bildwelten, einem riesigen Screen und einem begehbaren Büchergestell mit Sofa schaffe der Büroeinrichter Witzig einen «coolen Groove». Es wird auch einen offenen Sitzungsbereich geben sowie Akkustiksofas, ein Fotostudio, einen Aufenthaltsraum, einen News Room und viele kreativ nutzbare Räume, die zum Teil in den bisherigen Einzel- und Kleinraumbüros eingerichtet werden. Nur die Abteilung Buchhaltung wird aus Gründen der Vertraulichkeit weiterhin in einem abgetrennten Raum sein.

Bildquelle: AST & FISCHER AG

Kommentare(1)

  • Anonymous
    29. Januar 2019, 13:04  Antworten

    Sicher kürzere Arbeitswege! Alles Gute und liebe Grüsse eine ehemalige Arbeitskollegin Helle 😍🇨🇭🇩🇰

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