/* GOOGLE ANALYTICS */ /* MAATOO */

Wer seine Kundschaft kennt, kann sich besser mit ihr austauschen, sagt Startup-Gründer Manuel Linder im Interview. Er plädiert dafür, dass auch kleinere Unternehmen den Rohstoff «Daten» nutzen und dank Marketing Automation besser auf die Bedürfnisse ihrer Kundschaft eingehen.

Manuel Linder, wissen Unternehmen schon bald alles über mich, wenn ich einen Laden betrete oder einen OnlineShop anklicke?
Ja, der Trend zeigt in diese Richtung. Bisher hatten die Unternehmen wenig Ahnung, wer ihre Kundinnen und Kunden sind. Das ändert sich: Daten werden heute nicht nur gesammelt, sondern auch ausgewertet, zum Teil in Echtzeit. Sie sind der Motor von Marketing Automation – ohne Daten gibt ein Unternehmen viel Content heraus und hat keine Ahnung, ob er überhaupt effektiv ist.

Wie funktioniert Marketing Automation?
Nehmen wir einen Supermarkt, dessen Kameras und Sensoren nicht nur zählen, wie viele Menschen wann den Laden betreten, sondern auch analysieren, wer sie sind: Welche Kleidung tragen sie? Haben sie Sport- oder Businesstaschen dabei? Sehen sie zufrieden aus oder ernst? In welche Regale schauen sie zuerst? Welche Gerüche und welche Musik beeinflussen ihr Kaufverhalten? Es werden aber auch andere Daten gesammelt, etwa zum Einfluss von Wetter oder Events, die gerade stattfinden. Marketing Automation ist also nichts anderes, als den Rohstoff «Daten» zu nutzen, um sich erfolgreich mit der Kundschaft auszutauschen.

Was passiert danach mit den Daten?
Unser System analysiert das zu erwartende Einkaufsverhalten und passt das Sortiment entsprechend an. Und zwar dynamisch, das heisst, es verändert sich je nach Wochentag und Tageszeit. Unternehmen, die ihre Kundinnen und Kunden kennen, generieren daher nicht nur mehr Absatz, sondern sie verschwenden auch weniger Ressourcen, weil sie das Angebot viel besser der Nachfrage anpassen.

Dann bestimmen Algorithmen, welche Cornflakes morgen ins Regal und wie viele Rüebli ins Lager kommen? Oder wo das Sandwich platziert werden muss, damit es möglichst oft gekauft wird?
Genau. Ein digitales System kann die Bedürfnisse der Kunden viel besser erfassen als unser Bauchgefühl. Es lernt immer mehr über ihre Vorlieben und Verhaltensweisen und weiss, welche Marketingmassnahmen bei welcher Kundengruppe erfolgreicher sind. Im Idealfall entsteht ein Austausch mit den Kunden.

Ist dieser Austausch nicht etwas einseitig?
Die Kunden müssen immer sagen können, wenn etwas zu viel oder zu wenig ist. Sie erhalten für ihre Daten auch etwas zurück: zum Beispiel Rabatte, tiefere Prämien, aber auch ein angenehmeres Shoppingerlebnis. Unternehmen sammeln Daten, um die Kundinnen zu verstehen – und um sie mit hyperpersonalisierten Angeboten zu begeistern. Das kommt letztendlich auch ihnen zugute.

«Wir sollten Daten nicht nur nutzen, um Geld zu verdienen, sondern auch, um die Welt ein Stück besser zu machen.»

Manuel Linder

Wollen die Kundinnen und Kunden das überhaupt?
Mit der ständigen Überwachung bezahlen sie einen hohen Preis. Das ist eine gute und wichtige Frage. Ich kann sie nicht beantworten. Aber wenn ich mir überlege, wie viele nicht relevante Informationen ich jeden Tag lese, dann gefällt mir die Vorstellung, künftig personalisierte Zeitungen zu lesen mit Informationen, die ich persönlich spannend finde. Oder im Online-Shop nur jene Garderobe zu finden, die zu mir passt. Die Firmen müssen lernen, die Kunden nicht zu diesem Austausch zu zwingen, sondern sie dazu einzuladen. Zum Beispiel, indem sie ihnen im Gegenzug vollständige Transparenz anbieten. Ein Kunde soll jederzeit alle Informationen einfordern können, die ein Unternehmen über ihn gesammelt hat, und er soll auch wissen dürfen, wie es sie nutzt. Datenschutz ist der Kern dieses Systems.

Ein Kern allerdings, der uns sehr verletzlich macht.
Ja, das ist so. Unternehmen suchen jedoch nicht Daten über Personen, sondern über Trends. Fakt ist: Daten sind manipulierbar, es gilt deshalb, sie mit aller Kraft zu schützen. Wir dürfen das Feld nicht aus Angst vor den Risiken den Giganten Google, Amazon und Facebook überlassen – das wäre definitiv eine Gefahr. Denn rückgängig machen lässt sich die Entwicklung nicht. Vielmehr müssen wir Moral- und Ethikbehörden einsetzen, die Regeln aufstellen.

«Unternehmen sammeln Daten, um die Kundinnen zu verstehen – und um sie mit hyperpersonalisierten Angeboten zu begeistern.»

Manuel Linder

Was bringt die Zukunft?
Wir stehen erst am Anfang und es wird immer deutlicher: Daten sind das Erdöl der Zukunft. Wir sammeln seit geraumer Zeit Daten, doch erst jetzt erkennen wir, wie viel sie wert sind. Wir haben noch kaum Erfahrungswerte mit diesem Rohstoff: Wo und wie kann man ihn überhaupt einsetzen? Und was gilt es dabei zu beachten? Mir persönlich ist es ein grosses Anliegen, sie nicht nur zu nutzen, um Geld zu verdienen, sondern auch, um die Welt ein Stück besser zu machen. Wir könnten Daten nämlich beispielsweise auch für die Nachhaltigkeit oder für weniger Food Waste einsetzen

Ist Marketing Automation nur etwas für grosse Player?
Überhaupt nicht – Marketing Automation ist zuerst einmal da, um zeitsparend Content zu verteilen, das betrifft den Newsletter des Coiffeur-Salons genauso wie die Social-Media-Aktivitäten der grossen Versicherung. Viele übertragen noch heute für jedes Mailing und jeden Newsletter von Hand Adressen aus Excel-Tabellen. Matchentscheidend ist jedoch die Analyse. Unternehmen müssen lernen, ihre Daten zu lesen. Auch da können die Kleinen profitieren: etwa die Schreinerei, die wissen möchte, welche Kunden ihr Mailing gelesen haben und sich ernsthaft für das Angebot interessieren – oder eben nicht. Auch Crossmedia wird wirksamer, wenn wir sehen, welche Kanäle sich wann am besten für welchen Content eignen. Einzig Print ist nach wie vor sehr schwierig auszuwerten – und doch gewinnt es wieder vermehrt an Einfluss.

Liebe Blog Leser:

Was ist Ihre Meinung zu den Themen Daten und Marketing Automation? Wir freuen uns über Ihre Kommentare.

Facts Manuel Linder


 

Manuel Linder (35) aus Bern hat beruflich drei Standbeine: Als Berater bei Bucher-Suter findet er für Grosskonzerne automatisierte Kommunikationslösungen. Bei den INNOArchitects in Wabern führt er Workshops zu den Themen Innovation, Design Thinking und Strategie durch. Und als Co-Founder des Start-ups Spoud hilft er Unternehmen, ihre Daten mit automatisiertem Marketing erfolgreich zu nutzen.

Digital PitStop


Möchten Sie noch mehr zu den Themen Kundendaten, Marketing Automation und Online Marketing wissen?
Dann melden Sie sich zu unseren Digital PitStops an und erfahren Sie in kurzen Session mehr dazu von unseren Referenten (u.A. Manuel Linder).

Mehr dazu auf:

www.ast-fischer.ch/pitstop

Bildquellen: Manuel Linder, Pexels.com

Kommentare(0)

    Kommentieren